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Montag, 21. März 2011

Downhill-Staatsmeister Markus Pekoll im Interview - 2. Teil

Im ersten Teil des Interviews mit Markus Pekoll sprachen wir über das Trainingslager in Spanien, sein neues Bike und seine Erfolge in den letzten Jahren.

Im zweiten Teil erfahren wir mehr über seine Anfänge, warum es in Österreich und Deutschland nicht mehr Spitzenfahrer gibt und wie er sich im Winter fit hält:

DHR: Kommen wir nochmals zurück auf die Ergebnislisten. Wenn man sich die anschaut, scheint es, dass du steile und wurzelige Strecken besonders gerne hast. Verhältnisse, wie sie auch bei deiner Heim-Strecke in Schladming vorherrschen. Ist das so richtig? Hast du eine Lieblingstrecke?

Ich habe eigentlich nur das Bremsen gelernt
Über das Training auf seiner Heimstrecke
Markus Pekoll: Von den Ergebnislisten schaut’s fast so aus, als ob mir das Steile entgegen kommen würde. Aber ich gehe zu keinem Rennen hin und sage: die Strecke liegt mir nicht oder die mag ich nicht. Ich sag auch nicht: ich brauch das oder ich mag das. Ich versuche auf jeder Strecke schnell zu sein. Meine Schwächen liegen aber sicher noch in den flachen Abschnitten. So wie in Windham, wo man häufig Schwung mitnehmen muss. Das habe ich im Training nie gehabt. Auf der Planai hab ich eigentlich nur das Bremsen gelernt und nie das Schwung-Mitnehmen. Das sind sicher meine Schwächen wo ich arbeiten muss. Aber ich sage nicht, dass ich irgendeine Lieblingsstrecke habe. Fort William ist flach und schnell und das gefällt mir auch sehr.

DHR: Im Zeitlauf warst du ja 14. ...

Markus Pekoll: Im Zeitlauf war ich 14. Vor drei Jahren war ich 42. Dann habe ich einen Pedalbruch und einen Platten gehabt. Im Rennen habe ich’s daher noch nicht zeigen können, aber im Training habe ich mich schon sehr wohl gefühlt.

Ich habe also keine Lieblingsstrecke, sondern versuche überall schnell zu sein.

Wallride in Spanien [Galerie]

DHR: In Val di Sole und anderen Weltcup-Rennen hast du internationale Downhill-Größen wie Chris Kovarik, Mick Hannah, Mickael Pascal, Matti Lehikoinen hinter dir gelassen. Kennt man dich jetzt im Weltcup-Zirkus oder hat man es da als Österreicher schwer – insbesondere in einem kleinen Team wie bisher?

Markus Pekoll: So wie’s voriges Jahr war: da wird man nicht wahrgenommen. Man redet mit ein paar, die man kennt. Z.B. Wyn Masters kenne ich jetzt schon einige Zeit. Auch vereinzelt ein paar Briten. Beim Solid Team waren wir ziemlich alleine. Da gab’s niemanden, der Videos macht oder Ähnliches. Aber als ich jetzt in Malaga war, war auch Matti Lehikoinen da. Ich dachte mir, der wird mich eh nicht kennen. Aber dann ist er hergekommen: „Sorry, hab dich nicht gesehen“ und hat gleich gefragt, wie’s geht. Da hab ich schon gesehen, dass man jetzt mehr auffällt. Auch waren viele Briten da, Hobby-Biker oder Hobby-Racer. Die haben mich gefragt, wie die Umstellung auf’s Bike ist. Da hat man auch gesehen, dass mich die kennen. Das war natürlich schon lässig.

Markus Pekoll Staatsmeister 2007 in Schladming [Galerie]
DHR: Zurzeit gibt's in Deutschland die Diskussion, warum es keiner ins Weltcup-Spitzenfeld schafft. In Österreich gab's diese Diskussionn seit ich mich erinnern kann. Vor 10 Jahren hat man's auf den Mangel an Bikeparks geschoben. Manche meinen, bei uns ist das Problem, dass der ÖSV (Österreichische Ski Verband) alle Talente aussiebt. Du bist ja auch Skirennen gefahren (oder fährst noch). Aber du bist uns als Downhiller erhalten geblieben?

Markus Pekoll: Ich bin früher Skirennen gefahren, aber ich würde nicht sagen, dass ich extra talentiert war. Ich hatte ein, zwei Rennen in meiner Skikarriere bei denen ich wirklich gut gefahren bin. Ich bin zwar technisch nicht schlecht gefahren, aber ich war damals kein Rennfahrer. Ich bin aus dem Start raus, war nervös und bin von oben bis unten verhalten gefahren.

DHR: Wann war das?

Markus Pekoll: Das war zur Hauptschulzeit. Ich bin damals in die Ski-Hauptschule gegangen. Mein Manko war damals, dass ich extrem klein war. In der vierten Klasse Hauptschule war ich mit den Mädchen der Kleinste, körperlich einfach schmächtig, nix dran bei mir. Das Skifahren und der Rennsport hat mich dann nicht mehr interessiert.

Staatsmeister 2008 am Semmering [Galerie]
Mario und Georg Sieder sind aber damals am Gardasee schon mit dem Bike unterwegs gewesen. Die sind dann auch zuhause gefahren und durch die bin ich dann so ca. ab der 2. Hauptschule zum Radfahren gekommen. Skifahren ist dann weniger geworden und anschließend habe ich mal eineinhalb bis zwei Jahre sportlich nichts gemacht. Ein bisschen „Downhill-Fahren“ aber damals hatten wir ja noch keine Downhill-Bikes.

DHR: Dazu habe ich noch eine Frage. Du bist ja schon einer aus der Generation der "Bikepark-Kids". Wie alt warst du, als du das erste Mal auf der Planai gefahren bist?

Markus Pekoll: Wann hat der Bikepark eröffnet? 2001? 2002 war das erste Rennen. Wir haben uns vorher schon rauffahren lassen und sind diverse Trails gefahren. Auch bei uns daheim sind wir Wege gefahren und haben uns selber gestoppt. Das erste Mal Downhill gefahren bin ich mit Mario und Georg in Tauplitz. Aber damals sind wir mit unseren Cross Country Bikes gefahren. Das war die erste Downhill-Erfahrung.

Die haben seit 20 Jahren einen Steve Peat als Vorbild.
Über die Unterschiede zwischen England und Österreich
Aber zur Frage, warum es keine schnellen Racer in Österreich gibt. Ich habe in Malaga mit Briten gesprochen. Dabei sind wir auch auf das Thema gekommen. In Österreich hat man mit den Bikeparks die Möglichkeit, downhill biken zu gehen, ohne dass man ein Rennen fahren muss. Die Briten müssen Rennen fahren, um eine Shuttlemöglichkeit zu bekommen. Und bei denen sind die Rennen – ich glaube 300 dürfen starten – restlos ausgebucht. Einer hat mir erzählt, er ist beim Juniorencup Fünfter geworden, hat aber die Anmeldung verpasst, sodass er jetzt bei drei Rennen nicht starten kann. In Österreich sehen viele, die zum Biken anfangen, das als Funsport und nicht als Rennsport. Die meisten sehen es als Freizeitbeschäftigung und nur ein kleiner Teil will Rennen fahren. Das Rennen-Fahren ist bei uns nicht notwendig weil man auch anders auf den Berg rauf kommt. Und bei den Briten ist das nicht so. Deswegen sind die auch so explodiert in den letzten Jahren. Außerdem haben die die Vorbilder. Die haben seit 20 Jahren einen Steve Peat als Vorbild.

Wir haben uns damals an Rüdiger (Jahnel Anm.) und Hias (Mathias Haas Anm.) gehalten. Das soll jetzt nicht abwertend gegenüber den anderen klingen, aber als ich dann das erste Jahr Elite gefahren bin, habe ich gleich mein erstes Elite-Rennen gewonnen. Die Briten müssen aber immer kämpfen, dass sie nach oben kommen. Bei uns fehlt da etwas das Konkurrenzdenken.

DHR: Interessanter Ansatz. Wie bei uns vor 15 Jahren, als man Rennen fahren musste, um überhaupt eine eigene Strecke und einen Lift zu haben.

Zur nächsten Frage: Du bist gemeinsam mit deinen Teamkollegen Georg und Mario Sieder von euren Eltern stark gefördert worden.

Markus Pekoll: Ich hab damals, in der dritten Klasse Hauptschule, ein Scott Mountainbike bekommen. Hinten und vorne gefedert. Ich habe geweint vor Freude. Wir sind dann das erste Mal Planai gefahren. Viele haben damals schon einen echten Downhiller gehabt und wir haben uns gefragt, ob wir auch jemals so etwas haben werden – ein richtiges Downhill-Bike? Wenn ich zurückdenke, was wir damals gedacht haben - und dann acht Jahre später Zwölfter beim Weltcup-Downhill - das ist echt ein Wahnsinn.

Markus Pekoll Staatsmeister 2010 auf der Nordkette [Galerie]
Wir sind von Anfang von meinem Vater und vom Vater der Sieder-Brüder unterstützt worden. Sie haben uns die Möglichkeit gegeben zu den Rennen zu fahren und sind mit uns dorthin gefahren. Wenn du in dem Alter nicht die Unterstützung der Eltern hast, wird es schwer.

DHR: Bei der Vorbereitung zum Interview habe ich mir die Webseite eures Teams Fast-Forward-Racing angesehen. Wenn man da etwas reinliest, fällt auf, dass ihr schon früh sehr professionell aufgestellt wart. Ihr hattet einen relativ großen Betreuerstab und viele Sponsoren. Ich hatte den Eindruck, dass es das in Österreich ansonst kaum gegeben hat, dass so junge Fahrer so massiv unterstützt worden sind.

Markus Pekoll: Nein, das war sicher einzigartig in Österreich, was da mit uns gemacht wurde. Wir haben die richtigen Leute gekannt und wir leben in einer gesegneten Region. Wo Geld vorhanden ist und viele Firmen sind, die einen kleinen Beitrag zahlen können. Für uns war das sehr wichtig und wir müssen es schätzen, dass wir in so einer Region leben. Das ist nicht selbstverständlich. Es ist auch nicht selbstverständlich, dass mein Vater, der Sieder Vater und andere Leute viel Zeit investieren. Z.B. Bernd Kindermann, der mit uns auf Trainingslager gefahren ist. Deswegen kann man das nicht so locker nehmen. Die tun so viel für uns und das hat mich auch angetrieben. Ich habe den Ehrgeiz entwickelt und mir gesagt, dass ich das nutzen muss.

Diese Arbeit im Team hat sich dann auch wiedergespiegelt in den Ergebnislisten. Die letzten vier Staatsmeister-Titeln wurden von Fahrern und Ex-Fahrern des Fast4ward-Racing-Teams geholt, die Junioren-Titeln, nationale Rennsiege und auch im Weltcup.

DHR: Ich hab da was Interessantes in der Pressemappe des Fast4ward-Racing-Teams gefunden: 2006 habt ihr dort geschrieben, dass ihr bis 2010 mindestens einen Fahrer unter die Top 30 im bei einem Weltcup-Rennen bringen wollt. Es war dann sogar so, dass Boris Tetzlaff bereits 2008 in Schladming 16. geworden ist. Und du hast seit 2009 Top-Weltcup-Ergebnisse.

Markus Pekoll: Ja, es hat nach Schladming den Kick gegeben. Damals waren wir wirklich happy mit einem Top-30 Platz. Sind wir aber heute auch noch, aber die Dichte hat sich von 2006 bis 2010 extrem erhöht. Früher konnte man sich mit einem Sturz qualifizieren, das geht jetzt nicht mehr. In Val di Sole haben mir 1,2 Sekunden auf den Podiumsplatz gefehlt. Wäre man als 20. eine Sekunde langsamer, wäre man 30. Eine Sekunde schneller 15. Und das auf 3-4 Minuten. Es ist schon wie beim Skifahren, wenn man es auf ein bis zwei Minuten herunterrechnet.

Mit meiner Oma bin ich damals schon Langlaufen gegangen.
DHR: Jetzt zu einem anderen Thema: Wie hat dein Training im Winter ausgesehen? In deinem Blog habe ich gelesen, dass du an ein paar Langlauf-Rennen teilgenommen hast.

Markus Pekoll: Langlaufen mache ich schon von klein auf. Mit meiner Oma bin ich damals schon Langlaufen gegangen. Vor zwei bis drei Jahren hat es mir dann wieder gedaugt, weil der Schnee gepasst hat und so bin ich viel Langlaufen gegangen. Wenn ich mich entscheiden muss, ob ich mich im Keller auf den Ergometer setze oder in der Natur Langlaufen kann, fällt die Entscheidung leicht. Die Rennen sind wichtig, damit ich im Winter auch Ziele habe. Wenn man im November zu Trainieren anfängt, aber die ersten Rennen erst im April sind, ist es eine lange Zeit, wo man den Kopf fithalten muss. Und so trainiere ich auf die Langlaufrennen hin und es macht mir wirklich Spaß. Ich bin einfach ein Racer – ich bin ein Rennfahrer.

Im dritten und letzten Teil erzählt uns Markus Pekoll über seine Chancen und Erwartungen im neuen Team, über seine Teamkollegen, sein neues Bike und die Ziele für die kommende Saison.

Fotos: Alex Zezula, www.blue-tomato.com, Gerd Pachauer, Kevin Kontschieder

Kommentare

Montag, 21. März 2011 22:52
nooxAvatar von noox
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Anthering/Salzburg
Ich hab den Satz so witzig gefunden:
Eigentlich habe ich ja nur das Bremsen gelernt.
Mir fällt dazu nur ein: Gut, dass er's net wirklich g'scheid gelernt hat - das Bremsen