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Freitag, 23. Oktober 2015

Bike Republic Sölden: Da tut sich was!

Skifahrern und Skifans ist Sölden natürlich ein Begriff. Auch für Mountainbiker war es kein völlig ungeschriebenes Blatt. Angeblich sollte es dort feine Trails geben, hörte man. Auch die Singletrail Schnitzeljagd wurde zur fixen Einrichtung. Aber jetzt wird’s richtig ernst: mehr als fünfzehn freigegeben Wanderwege, sogenannte „shared Trails“, finden sich in der Trailmap. Mit der Teäre Line wurde letztes Jahr ein 6 km langer Flowtrail in den Berg gegraben. An deren Ende befindet sich ein Pumptrack. Viele weitere Strecken sollen folgen – in der „Bike Republic Sölden“.

Text: noox. Fotos: Manfred Stromberg.

Rüdiger Jahnel auf dem Singletrail am Ende der Teäre Line [Galerie]

Für mich ging es erstmals im heurigen Juli anlässlich des European Enduro Series Rennen nach Sölden. Ich wollte danach unbedingt nochmals hin, um mir noch einen detaillierteren Überblick über die Trails zu verschaffen. Sechzehn Singletrails sind in der Trailmap 2015 verzeichnet. Es handelt sich dabei um Wanderwege, die als „shared Trails“ markiert sind. Die meisten davon sind mit einer der beiden Gondelbahnen zu erreichen. Von Norden durchs Ötztal kommend zuerst die Giggijochbahn und weiter südlich die Gaislachkogelbahn, wo auch die neue Teäre Line über 130 Anlieger ins Tal führt.

Leider machte uns das Wetter genau in der geplanten Urlaubswoche einen Strich durch die Rechnung, weshalb sich ein weiterer Besuch nicht mehr ausging. Daher an dieser Stelle nur mein erster Eindruck, den ich beim Enduro Rennen erhalten habe.

Die Singletrails in Sölden

Links die Täere Line unter der Gaislachkogelbahn. Rechts ist die Giggijochbahn zu erkennen. Auf den Trails in deren Umgebung wurden die Stages des EES Rennen gefahren. Dies sind aber nur drei der insgesamt 16 Trails, die man auf der Sölden Bike Map 2015 findet. [Galerie]

Highlight für die meisten Enduro-Fahrer sind natürliche Trails. Wenn diese dann noch legal und teils mit Liftunterstützung gefahren werden können, bekommen wir den Grinser nicht mehr aus dem Gesicht. Beim Rennen sind wir genau solche Trails im Bereich der Giggijochbahn gefahren. Laut Bikemap sind aktuell die meisten Singletrails in Sölden im S2-Bereich. Also durchaus schon für fortgeschrittene Singletrail-Fahrer. Für das Rennen wurden klarerweise besonders die Trails ausgewählt, die auch teils S3-Passagen dabei hatten. Mit dem Harise-Trail auch ein rein als S3 ausgezeichneter Trail. Bei den gefahrenen Trails ergab sich der höhere Schwierigkeitsgrad aber hauptsächlich wegen einiger enger Spitzkehren. Am Rennwochenende war es staubtrocken mit 35°. Vom Streckenzustand im Juli ausgehend denke ich nicht, dass viele Abschnitte durch Regen massiv schwieriger zu fahren wären. Ausgedehnte Wurzelteppiche oder wiederholte schwierige Steilabfahrten findet man zumindest auf den Trails im Bereich des Giggijochs selten. Im Gegenteil: oft fährt man im lichten Zirben-Lärchenwald, wo sich die Trails mehr oder weniger durch grüne Wiesen schlängeln.

Großteils waren wir so auf richtig feinen Trails unterwegs. Durch den lichten Wald mit den kräftig grünen Wiesen, immer wieder mal vorbei an lautstark rauschenden, kleinen Gebirgsbächen.

Kräftige grüne Wiesen im Wald. [Galerie]

Immer mal wieder über kleine Gebirgsbäche. [Galerie]

Ein paar längere Gerade-Aus-Passagen, die grad beim Rennen mit High Speed gefahren wurden, sind mir etwas negativ in Erinnerung geblieben. Beim Durchsehen der GoPro-Videos hat sich aber herausgestellt, dass das gar nicht so viele waren. Vermutlich musste ich mich erst daran gewöhnen – für mich war dieses Rennen mehr oder weniger erst der Saisonstart.

Erster Abschnitt auf dem Traien Trail. Rechts oben die Bergstation der Giggijochbahn. [Galerie]

Knapp darunter am Traien Trail. Ca. von Hochsölden aus gesehen. Im Hintergrund der Gaislachkogel. [Galerie]

Einen Eindruck von den Trails, die beim Rennen gefahren wurden, könnt ihr am besten im Video-Zusammenschnitt erhalten:


https://www.youtube.com/watch?v=hiBIe4yq-Cc


Die Teäre Line

Der Prolog des Rennens führte über die neuen Teäre Line. Genauer über die ersten 5 km der Teäre Line. Diese ist relativ breit mit vielen großen Anliegern. Viele davon sind Kehren. Auf diesen ersten 5 km dürften alleine mindestens 110 große Anlieger stehen. Ich habe noch einige Kurven mit wenig Richtungsänderung und kleinen bis mittleren „Wandln“ mitgezählt und bin so auf über 130 Anlieger gekommen. Danach geht es nochmals ca. 500 m über einen engeren Anlieger-Trail zur Hochsöldenstraße. Nach der Straße folgt noch ein gut ein Kilometer langer technischer Trail zur Pumptrack beim Bäckelar Wirt und somit zurück zur Talstation der Gaislachkogelbahn.

Täre Line von ca. Südsüdost gesehen. Die ersten 100 Höhenmeter erfolgen vorerst noch über eine Schotterstraße. Dann geht's 5 km auf richtig breiten und großen Anliegern bis zum Ende des Waldes. Bis zur Hochsöldenstraße etwas schmäler und nach der Straße noch ein Sinlgetrail bis zur Pumptrack im Tal. [Galerie]

Bis auf den letzten Abschnitt nach der Straße sollte die Teäre Line für jeden fahrbar sein, der zumindest ein bisschen Anlieger-fahren kann. Durchhaltevermögen sollte man allerdings mitbringen. Selbst beim Rennen waren die meisten Teilnehmer 9 bis 10 Minuten unterwegs – wohlgemerkt nur auf den ersten 5 km und natürlich ohne Pausen.

Rüdiger Jahnel auf der Teäre Line [Galerie]

Die Anlieger sind wirklich bis zum Ende und großzügig gebaut und können so meist voll genommen werden. Das macht dann auch für fortgeschrittene Fahrer Spaß. Ich habe erst im Nachhinein ein Interview mit dem Streckendesigner Joscha Forstreuter auf mtb-news.de gelesen. Sein Ziel war, eine Strecke zu schaffen, auf der man weder treten noch bremsen muss. Er meinte zwar, dass sie es nicht 100% geschafft haben. Ich hatte auch beim Fahren nicht speziell darauf geachtet. Aber soweit ich mich erinnern kann, fühlt es sich tatsächlich so an. Macht Spaß, wenn man nicht ständig auf der Bremse ist und bei der Streckenwartung sollte sich das auch positiv bemerkbar machen. Der Aufwand für die Strecke muss aber gewaltig gewesen sein. Das Gelände ist abschnittsweise doch sehr steil und felsig. Wirklich cool ist allerdings die Erde. Nur an ganz wenigen Stellen wurde anderes Material eingebracht. Ansonsten ein reiner Erd-Trail, der sich kompakt anfühlt und viel Grip bietet.

Anlieger auf der Teäre Line [Galerie]

Wir sind den Trial nur zweimal gefahren. Beim Training und beim Prolog im Rennmodus. Sicher wäre dort oder da noch Airtime drinnen gewesen, aber insgesamt sieht es damit trotzdem eher mager aus. Airtime stand aber bestimmt nicht im Pflichtenheft der Teäre Line. Für fortgeschrittene Fahrer sind ein Aufwärm-Run und ein zweiter schon lustig. Insbesondere wenn man sich aufs Kurvenfahren konzentriert. Auf Dauer wird’s aber fad - auch deswegen, weil eine Fahrt so lang ist, wie in den meisten Bikeparks zwei Fahrten. So verzieht man sich anschließend doch besser auf die Singletrails.

Auch eine große Wall gibt es. Beim Rennen (Prolog) ist eine niedrigere Linie schneller. [Galerie]

Sehr positiv finde ich, dass am vorgegebenen Konzept von oben bis unten festgehalten wurde. (Wenn man den Singletrail unter der Straße ausklammert, der ja eigentlich ein eigener Trail ist). Hierzulande wurde schon zu oft versucht, verschiedene Schwierigkeitsgrade und Trail-Charakteristiken in eine Strecke zu packen. Die Gefahr ist dann, dass die Features nicht zusammenpassen und keiner so richtig glücklich wird.

Auf den ersten 5 km der Teäre Line gibt es nur einmal gegen Ende einen Rhythmuswechsel, wo es kurz etwas schmäler und enger wird. Außerdem ein paar wenige Straßenquerungen. Ansonsten fällt mir keine einzige Kurve ein, die uns ausgebremst hätte. Man kann bei jeder Kurve viel Speed mitnehmen. Am besten haben mir aber die Abschnitte gefallen, wo kleine Richtungsänderungen und Wellen, auf denen man kurz abhebt, eng aufeinander folgen und so ein Gefühl vermitteln, als wäre man richtig schnell unterwegs.

Auch immer wieder Abschnitte mit nur kleinen Richtungsänderungen [Galerie]

Interessant ist der Name: Sölden will sich bei den Namen der Trails an den alten Ötztaler Dialekt orientieren. Teäre ([tɛa/ãʀə]) steht laut der Webseite im ötztaler Dialekt für „eigenwillig, eigensinnig und stur – seinen eigenen Weg gehen“ und stammt vom alten „törisch“ und „dearisch“ ab. (Bei uns in Salzburg steht „dearisch“ für „schwerhörig“.) Der Name der Teäre Line bezieht sich dabei aber nicht auf das Fahrgefühl auf der Strecke. Der ist in keinster Weise eigensinnig. Er bezieht sich darauf, dass die Strecke stur ihrem Konzept gefolgt ist, auch wenn der Berg wahrlich keine einfachen Hindernisse in den Weg gelegt hatte.

Unsere erste Fahrt auf der Teäre Line:

https://www.youtube.com/watch?v=YGF0Ljbx0xI


Wie geht’s weiter?

Sölden hat sich viel vorgenommen. Als Vorbilder werden Whistler oder Portes du Soleil genannt. Im Vergleich zum aktuellen Trail-Angebot wird es daher aber auch in eine etwas andere Richtung gehen: deutlich mehr rein für Mountainbiker gebaute Trails.

Bereits heuer im Sommer ist auf der Teäre Line eine neue Variante mit größeren Sprüngen entstanden (die „Zahe Line“). Eine schöne Abwechslung für fortgeschrittene Fahrer. Allerdings: wer auf Airtime steht, fährt für ein paar größere Sprünge keinen 15 - 20 Minuten Flow-Trail. Genauer betrachtet ist dieser Variante aber gar nicht so kurz. Laut einem Youtube-Video dürfte die Fahrzeit auf der Zahe Line knapp an die zwei Minuten heranreichen. (Es soll Bikeparks geben, die bringen auf zwei Minuten Fahrzeit locker zwei Trails unter – zumindest zwei Trail-Namen.) Viele Sprünge sind außerdem mit zwei bis drei Linienvarianten ausgestattet. Hauptsächlich Tables und Gaps in unterschiedlichen Größen.

Außerdem ist auch Trail Solutions vor Ort, um diverse Trails „Bike-freundlicher“ auszubauen. Daniel Tulla, der auch maßgeblich an den Reschenpass-Trails gebaut hat, hat ein paar Fotos vom Trailbau in Sölden gepostet: Handarbeit und Liebe zum Detail. So wurde auch der Singletrail am unteren Ende der Teäre Line ausgebaut. Dieser war doch ziemlich schmal und ist seitlich teils sehr abschüssig.

Der schnellste Junior beim EES Rennen Kevin Maderegger auf dem Singletrail unter der Teäre Line. [Galerie]

Ich habe außerdem mit Trail Solutions-Chef Georgy Grogger gesprochen.

Es werden in den nächsten Jahren an die 20 Trails entstehen. Nicht von heute auf morgen. Genehmigungen und Verhandlungen brauchen Zeit. Es kann immer etwas dazwischen kommen. Aber so ist jedenfalls der Plan für die nächsten Jahre.

Es werden teils komplett neue Park-Trails gebaut, teils die bestehenden Singletrails weiter ausgebaut. Umgekehrt sollen andere Shared-Trails wieder an die Wanderer zurückgegeben werden. Die Trails auf der Skigebiets-Seite (Giggijoch, Gaislachkogel) sollen alle direkt vom Lift - ohne Uphill – erreichbar sein.

Trotzdem versteht sich die Bike Republic Sölden nicht als Bikepark, da die Trails auf mehrere Bahnen und Berge verteilt sein werden. So wie ich das verstanden habe, sehe ich es als Mischung aus Portes du Soleil und Bikepark. Also nicht so weiträumig wie Portes du Soleil, aber auch nicht so kompakt wie ein klassischer Bikepark. In Sölden werden ja schon bis zu den Mittelstationen der Gondeln richtig Höhenmeter gemacht. Z.B. 800 m auf der ersten Sektion der Gaislachkogelbahn und über 900 m bei der Giggijochbahn. Dadurch ergeben sich auch entsprechende Längen und Entfernungen.

Es soll aber auch Angebote für Biker geben, die nicht nur bergab fahren wollen. Beispielsweise auf der gegenüberliegenden Talseite, wo es keine Lifte gibt.

Das nächste Projekt wird ein 6 km langer Singletrail von der Gaislachkogel-Mittelstation (Teäre Line). Er soll relativ flach aber mit natürlichem Charakter (Steine, Wurzeln) nach Norden zur Langeggbahn und wieder zurück zur Teäre Line führen. Zukünftig soll auch die Langeggbahn im Sommer in Betrieb sein und so für die Verbindung zum Giggijoch sorgen. Mit der Langeggbahn gelangt man deutlich oberhalb der Giggijochbahn-Bergstation schon auf 2660 Meter Seehöhe.

Der Wintereinbruch hat einen Baubeginn noch heuer verhindert. Nächstes Jahr wird aber mit Hochdruck daran gearbeitet.

Josha Forstreuter wird außerdem noch einen weiteren Trail bauen. Georgy schwebt ein hochalpiner Trail mit Vertriding-Charakter vor. Für weitere Strecken (Downhill-Strecke, Flow-Trail, Jump-Line) gab es teils schon Gespräche mit hochkarätigen Streckenbauer.

Es tut sich also einiges in Sölden. Wer noch die aktuellen Shared-Trails fahren möchte, sollte das bald machen. Aber Achtung: Die Giggijochbahn wird nächstes Jahr durch eine 10er Einseilumlaufbahn ersetzt und ist damit nicht in Betrieb. Auch nicht schlecht: bei den alten Gondeln war es schon ziemlich eng für die Biker.

Wenn die Pläne so umgesetzt werden können, dann kann man wirklich von der „Bike Republic Sölden“ sprechen! Und wenn die neuen Trails in einer ähnlichen Qualität wie die Teäre Line gebaut werden, dann muss ich da definitiv öfters vorbeischauen. Tirol hat bei den Gravity-Bike-Angeboten lange geschlafen. Aber jetzt holen sie mit Riesenschritten auf. Dabei haben sie den Vorteil, dass man mittlerweile weiß, wie es geht.

Links:
YouTube: Täere Line Sölden 130 Berms (Downhill Rangers)
YouTube: Teäre Line Sölden Bottom Single Trail (Downhill Rangers)
YouTube: Sölden Mountain Bike Enduro Trails 2015 (Downhill Rangers)
YouTube: Zahle Line
Forum: Fotos Zahe Line (Diskussions-Thread über Sölden)
Web: Bike Republic Sölden
Facebook: Bike Republic Sölden
Facebook: Fotos Zahe Line & Teäre Line
mtb-news.de: Interview: Shaped by Joscha Forstreuter
mtb-rider.de: Interview Lukas Grüner Tourismusverband

Kommentare

Sonntag, 25. Oktober 2015 18:47
Tyrolens
Posts: 4229
Wenn sie nicht über die eigenen Füse stolpern, schaffen die das alles.
Gut finde ich, dass sich die einzelnen Regionen diversifizieren.
Samstag, 31. Oktober 2015 05:21
MUFC
Posts: 35
sölden wäre bestimmt hammer und auch nicht so weit weg wie serfaus (zumindest für mich).
sind die trails auch für downhill bikes gemacht? oder hauptsächlich für enduro bikes?
Samstag, 31. Oktober 2015 06:55
nooxAvatar von noox
Posts: 22200
Anthering/Salzburg
Momentan würde ich sagen Enduro. Früher wäre ich sowas wie die Teäre Line auch mit dem Downhill-Bike gefahren. Aber wenn du mal ein straffes Enduro gewohnt bist, dann willst so eine Strecke nicht mehr mit dem Downhill-Bike fahren. Aber ich denke, dass in ein paar Jahren die Trails auch für ein Downhill-Bike gut passen. Es war ja z.B. Claudio Calouri wegen einer Downhill-Strecke da.
Samstag, 31. Oktober 2015 10:53
Tyrolens
Posts: 4229
Ein interessantes Konzept, alle möglichen Baufirmen zu engagieren. Quasi das Gegenteil von "alles aus einer Hand".
Samstag, 31. Oktober 2015 17:43
nooxAvatar von noox
Posts: 22200
Anthering/Salzburg
Wenn die Kohle da ist und die Firmen einverstanden sind, ist das ja eine gute Sache. Besteht nicht die Gefahr, dass irgendwie alles gleich wird.