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Montag, 2. Dezember 2013

XX1 in der Praxis – Langzeit-Test der 1x11 Schaltung von SRAM

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Nach der ersten Saison mit der SRAM XX1-Schaltung am Enduro Bike ist es Zeit, von meinen Erfahrungen zu berichten. Eines vorweg: Ich habe die Kette auch ohne Kettenführung nie verloren und solange nichts Besseres kommt, würde ich die Schaltung nicht mehr hergeben. Andererseits hatte ich Verschleißprobleme mit den Kettenblättern und von der häufig gepriesenen perfekten Schaltperformance konnte ich auch meist wenig spüren.

Im ersten Teil wurden die Besonderheiten von XX1 betrachtet und ein Vergleich mit anderen Schaltung bezüglich dem Gewicht und der Übersetzung aufgestellt.

Im zweiten Teil geht es um die Erfahrungen in der Praxis.

In den vergangenen Jahren war ich hauptsächlich mit dem Downhill-Bike in Bikeparks unterwegs. Mit meinen Tret-Bikes wurde ich dagegen nie so wirklich glücklich und führte sie nur gelegentlich aus. Für 2013 musste daher ein feines Enduro her. Bei der Schaltung entschied ich mich für SRAM XX1. Mit dem neuen Enduro war ich in der heurigen Saison fast so viel unterwegs wie mit dem alten Enduro in den vergangenen drei Jahren.

Highlights waren eine Woche Finale Ligure zum Saisonbeginn, eine Enduro-Bike-Woche mit einigen Passüberquerungen in den schweizer-italienischen Alpen und fünf Enduro Rennen. Insgesamt spulte ich so knapp 38.000 hm und 1.650 km ab. Rechnet man die 9 Bikepark-Tage und die Lifttransporte bei den Rennen dazu, dürften es insgesamt ca. 2.000 km und 90.000 Tiefenmeter gewesen sein.

Wie hat sich die SRAM XX1 Schaltung bei diesem Einsatz bewährt?

Mittlerweile hat es sich zwar großteils schon herumgesprochen. Trotzdem ist eine der wichtigsten Fragen:

Bleibt die Kette am Kettenblatt – auch ohne Kettenführung?

Ja – sie bleibt dort! Auch im Enduro-Einsatz. Ich habe die Kette beim Fahren kein einziges Mal verloren. Zweimal ist sie mir am Parkplatz heruntergeflogen, weil ich das Bike so blöd hingelegt hatte, dass der Käfig vom Schaltwerk nach vorne gedrückt wurde und die Kette die Spannung verlor. Kette auflegen ist aber so oder so nur eine Sache von Sekunden.

Von mehreren Freunden und Bekannten, die ebenfalls XX1 fahren, hatte nur einer Probleme mit dem Ablaufen der Kette. Dabei stellte sich dann aber heraus, dass im Roller-Bearing-Clutch-Mechanismus des Schaltwerk-Käfigs (Type 2) ein Defekt vorlag. Angeblich kann man die Härte des Wiederstands bei der Vorwärtsbewegung des Käfigs einstellen. In dem Fall wurde das zu locker. Damals bitter, weil dadurch einem der schnellste Österreicher beim Samerberg-Enduro-Rennen die Kette mehrmals ablief.

Nach meiner Beobachtung ist der Hauptgrund, warum die Kette dort bleibt wo sie soll, das Kettenblatt mit den unterschiedlich breiten Zähnen. Dadurch wir die Kette bei jedem Kettenglied geführt. Bei herkömmlichen Kettenblättern werden nur die schmalen Kettenglieder seitlich geführt.

XX1-Kettenblatt [Galerie]

Zusätzlich sind die überlangen Zähne zu den Spitzen hin seitlich abgeschrägt, sodass ein eventuell leicht schief positioniertes Kettenglied wieder mittig auf das Kettenblatt gezogen wird. Dazu ist aber auch ein entsprechender Zug auf die Kette notwendig. Dies wird durch eine hohe Spannung am Schaltwerkkäfig erreicht. Durch den Roller-Bearing-Clutch-Mechanismus wir die Bewegung des Käfigs nach vorne durch eine zusätzliche Reibung erschwert. Besonders auffällig ist dabei das hohe Losbrechmoment. Bei kleineren Schlägen am Hardtail dürfte sich dadurch der Käfig so gut wie gar nicht bewegen. Beim Fully ist aber ein Schlag üblicherweise mit Einfedern des Hinterbaus und damit Längung der Kette verbunden – der Käfig ist damit so oder so ständig in Bewegung.

Bei den XX1-Kettenblättern ist es für die Kette deutlich schwerer seitlich abzulaufen. Das rechts abgebildete Kettenblatt ist zwar vermutlich 10 Jahre alt, aber auch moderne schaltbare Kettenblätter sind ähnlich aufgebaut und haben tendenziell noch mehr verkürzte Zähne, um das Schalten zu erleichtern. [Galerie]

Im 3. Teil dieser XX1-Testbericht-Serie möchte ich ein Video vorstellen, in dem man sieht, dass im rauen Gelände auch bei XX1 und dem Type-2-Schaltwerk die Kette heftig zu schwingen beginnt. Das Schaltwerk sorgt aber immer dafür, dass die Kette sofort wieder auf Zug kommt und dank der speziell geformten Zähne sauber auf dem Kettenblatt aufläuft.

Auch bei XX1 schlägt die Kette ordentlich. Zwischen den beiden Frames liegen ca. 8 hundertstel Sekunden. [Galerie]

Manche Serienhersteller montieren trotzdem eine Kettenführung. Wäre interessant warum. Auch auf den Bikes der Top-Enduro-Racer findet man teilweise eine. Die Begründung (oder Ausrede?) ist, dass die Kette womöglich bei einem Sturz herunterfallen könnte und man diesen zusätzlichen Zeitverlust nicht riskieren möchte. Ich selbst bin eher selten gestürzt (8-mal, einmal sehr heftig). Die Kette blieb immer oben. Aber falls der Käfig durch eine Bodenberührung kurz die Spannung verliert, kann die Kette ziemlich schnell vom Kettenblatt fallen. Normalerweise ist die Kette zwar innerhalb von Sekunden wieder drauf, in der Rennsituation – wenn man es z.B. nicht sofort bemerkt – könnten dann aber schon mal 10 Sekunden verloren gehen.
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Kommentare

Freitag, 9. Mai 2014 09:35
nooxAvatar von noox
Posts: 22194
Anthering/Salzburg
Nachtrag 9.5.2014: Die Schaltrollen sind nicht unterschiedlich: Sie haben nur auf einer Seite ein U und auf der anderen ein L eingeprägt. Bei der oberen Schaltrolle muss die Seite mit dem U nach Außen zeigen - bei der unteren Rolle die Seite mit dem L.

Ich habe auch mittlerweile erfolgreich bei den alten Schaltrollen einfach nur die Kugellager für ein paar Euro getauscht.
Montag, 11. April 2016 08:10
OttoAvatar von Otto
Posts: 572
Kettenlänge - bei mir ging bei +2Glieder die Kette nicht mehr auf das größte Ritzl. Habe dann die Gliederanzahl der alten Kette nachgezählt und die neue Kette um ein Glied gekürzt und alles lief wie früher.
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